Krankheitsbilder und Behandlungsmethoden

Hier finden Sie verständliche Informationen zu den häufigsten Krankheitsbildern der Bauchchirurgie (Viszeralchirurgie). Klicken Sie auf ein Krankheitsbild, um mehr über Beschwerden, Behandlung und das Leben nach einer Operation zu erfahren. Fachbegriffe stehen jeweils in Klammern.

A. Krebserkrankungen (Tumore)

Beschwerden

Speiseröhrenkrebs entsteht meist im unteren, mittleren oder oberen Abschnitt der Speiseröhre. Typische Anzeichen sind zunehmende Schluckbeschwerden – zunächst bei fester Nahrung, später auch bei Flüssigkeiten. Viele Betroffene verlieren ungewollt an Gewicht, verspüren ein Druckgefühl hinter dem Brustbein oder leiden unter Sodbrennen. Im fortgeschrittenen Stadium können Heiserkeit und Hustenreiz beim Schlucken auftreten.

Behandlung

Die Operation wird heute meist minimalinvasiv (über kleine Schnitte) durchgeführt und umfasst:

  • Bauchspiegelung zum Ausschluss von Tochtergeschwülsten (diagnostische Laparoskopie)
  • Entfernung des unteren Speiseröhrenabschnitts mit dem umliegenden Gewebe
  • Umformung des Restmagens zu einem Schlauch (Magenschlauchbildung)
  • Hochzug des Magenschlauchs in den Brustkorb und Nahtverbindung mit dem Speiseröhrenrest (Anastomose)
  • Vorbeugende Einlage eines Vakuumschwamms zur Verringerung von Komplikationen (Endo-Vac-Anlage)

Bei höher gelegenen Tumoren muss gelegentlich die gesamte Speiseröhre entfernt werden. Die Verbindung wird dann am Hals von Hand genäht.

Operationstechnik: Heute meist minimalinvasiv (laparoskopisch im Bauch, thorakoskopisch im Brustkorb). Auch robotisch unterstützt oder offen möglich.

Leben danach

Die grösste Gefahr nach der Operation ist eine undichte Nahtverbindung, die aber durch moderne Methoden wie den Vakuumschwamm deutlich seltener geworden ist. Die Erholung dauert mehrere Wochen. Betroffene müssen dauerhaft kleinere Mahlzeiten essen und langsam kauen, da der Magenschlauch kleiner ist als der ursprüngliche Magen. Sodbrennen kann auftreten, weil der natürliche Verschlussmechanismus fehlt. Eine regelmässige onkologische Nachsorge mit Spiegelungen und Bildgebung ist erforderlich.

Beschwerden

Magenkrebs verursacht anfangs oft keine oder nur unspezifische Beschwerden: Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und ein Druckgefühl im Oberbauch. Im weiteren Verlauf können Gewichtsverlust, Blutarmut (durch versteckte Blutungen) und Schmerzen nach dem Essen hinzukommen. Magengeschwüre (Ulzera) erfordern heute nur noch selten eine Operation.

Behandlung

Je nach Lage und Grösse des Tumors:

  • Teilentfernung des Magens, wenn der Tumor im unteren Drittel liegt (subtotale Gastrektomie)
  • Vollständige Magenentfernung mit Anschluss des Dünndarms an die Speiseröhre (Gastrektomie mit Roux-Y-Rekonstruktion)
  • In beiden Fällen werden die umliegenden Lymphknoten mitentfernt

Operationstechnik: Offen, laparoskopisch oder robotisch möglich. Bei Teilentfernungen wird zunehmend die minimalinvasive oder robotische Technik eingesetzt.

Leben danach

Nach einer Magenentfernung ist mit einem Gewichtsverlust von einigen Kilogramm zu rechnen. Betroffene müssen dauerhaft häufigere und kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen (5–6 statt 3 pro Tag), da das Fassungsvermögen stark eingeschränkt ist. Vitamin B12 muss lebenslang als Spritze oder Tablette zugeführt werden, da es ohne Magen nicht mehr aufgenommen werden kann. Bei Teilentfernung sind die Einschränkungen geringer. Eine regelmässige Nachsorge mit Blutkontrollen und Bildgebung ist notwendig.

Beschwerden

Gutartige oder halbbösartige Geschwülste der Magenwand werden oft zufällig bei einer Magenspiegelung entdeckt. Manche verursachen ein Druckgefühl im Oberbauch, gelegentlich leichte Blutungen oder Völlegefühl. Viele Betroffene haben keine Beschwerden.

Behandlung

  • Magenerhaltende Eingriffe: Nur die Geschwulst wird aus der Magenwand herausgeschält, der Magen selbst bleibt erhalten
  • Der Eingriff kann oft minimalinvasiv (über Schlüsselloch-Technik) durchgeführt werden

Operationstechnik: Laparoskopisch (Standard) oder offen. Robotisch möglich, aber selten nötig.

Leben danach

Da der Magen erhalten bleibt, gibt es in der Regel keine dauerhaften Einschränkungen bei der Ernährung. Die Erholung dauert meist 1–2 Wochen. Bei GIST-Tumoren ist eine regelmässige Nachkontrolle wichtig, da diese Geschwülste in seltenen Fällen wiederkehren können.

Beschwerden

Lebertumoren und Lebermetastasen (Tochtergeschwülste anderer Krebsarten, häufig vom Dickdarm) verursachen anfangs oft keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf können ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust auftreten. Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht) tritt erst auf, wenn der Gallenfluss behindert wird.

Behandlung

  • Entfernung von Lebergewebe mit dem Tumor (Leberresektion)
  • Entfernung von Tochtergeschwülsten, auch beidseitig und in mehreren Schritten (ein- oder mehrzeitige Metastasenresektion)
  • Zerstörung von Tumoren durch Stromstösse, wenn eine Entfernung nicht möglich ist (irreversible Elektroporation)

Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Onkologie, Radiologie und Pathologie.

Operationstechnik: Offen (Standard bei grösseren Eingriffen), laparoskopisch bei kleineren Resektionen oder robotisch möglich.

Leben danach

Die Leber hat eine aussergewöhnliche Fähigkeit zur Selbstheilung: Auch nach Entfernung von bis zu 70 % des Gewebes wächst sie innerhalb weniger Wochen wieder auf ihre ursprüngliche Grösse nach. In der Erholungsphase (2–4 Wochen) sollte auf Alkohol verzichtet und fettreiche Nahrung gemieden werden. Langfristig können die meisten Betroffenen ein normales Leben führen. Regelmässige Nachkontrollen mit Ultraschall und Blutwerten sind notwendig.

Beschwerden

Lungenmetastasen sind Tochtergeschwülste von Tumoren anderer Organe (häufig Dickdarm, Niere oder Weichteile), die sich in der Lunge angesiedelt haben. Sie werden oft bei Kontrolluntersuchungen im Computertomogramm (CT) entdeckt, ohne dass Beschwerden bestehen. Bei grösseren oder zahlreichen Herden können Husten, Atemnot oder gelegentlich blutiger Auswurf auftreten.

Behandlung

  • Entfernung kleiner Lungenabschnitte rund um die Metastasen (Lungenmetastasenresektion)
  • Bei mehreren Herden in einem Lungenlappen: Entfernung des gesamten Lappens (Lobektomie)

Vor dem Eingriff wird die Lungenfunktion geprüft und durch Bildgebung ausgeschlossen, dass Metastasen auch an anderen Stellen (Knochen, Gehirn) vorliegen.

Operationstechnik: Minimalinvasiv über eine Kamera im Brustkorb (thorakoskopisch / VATS), offen über Brustschnitt (Thorakotomie) oder robotisch möglich.

Leben danach

Nach der Operation werden für einige Tage Drainageschläuche eingelegt, die Wundsekret und austretende Luft ableiten. Der Spitalaufenthalt beträgt meist nur 3–4 Tage. Die Lungenfunktion erholt sich in der Regel gut, sofern genügend gesundes Gewebe erhalten bleibt. Leichte Atemnot bei Anstrengung kann vorübergehend bestehen. Regelmässige CT-Kontrollen sind zur Früherkennung neuer Herde notwendig.

Beschwerden

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oft spät entdeckt, da er anfangs kaum Beschwerden verursacht. Mögliche Anzeichen sind dumpfe Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Gelbsucht (durch Stau des Gallenflusses), ungewollter Gewichtsverlust, neu aufgetretene Zuckerkrankheit (Diabetes) und eine allgemeine Verschlechterung des Befindens.

Behandlung

Je nach Lage des Tumors:

  • Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkopfes mitsamt Zwölffingerdarm, umliegenden Lymphknoten und Gallenblase, anschliessend Wiederverbindung des Dünndarms (Kausch-Whipple-Operation)
  • Entfernung des Bauchspeicheldrüsenschwanzes, häufig zusammen mit der Milz, per Schlüsselloch-Technik möglich (Pankreaslinksresektion)
  • Entfernung des mittleren Abschnitts unter Erhalt des Schwanzes, was das Diabetesrisiko senkt (Pankreassegmentresektion)

Operationstechnik: Die Kopfoperation (Whipple) wird meist offen durchgeführt, zunehmend auch robotisch. Die Linksresektion erfolgt häufig laparoskopisch oder robotisch.

Leben danach

Der Spitalaufenthalt beträgt 10–14 Tage nach einer Kopfoperation und 7–8 Tage nach einer Schwanzentfernung. Da bei der Operation insulinproduzierende Zellen entfernt werden, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Zuckerkrankheit (Diabetes), die dann mit Medikamenten oder Insulin behandelt werden muss. Verdauungsenzyme müssen als Kapseln zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Ernährung sollte fettarm und auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt sein. Regelmässige onkologische Nachsorge ist zwingend erforderlich.

Beschwerden

Gallenblasenkrebs ist selten und wird oft zufällig bei einer Gallenblasenentfernung wegen Gallensteinen entdeckt. Mögliche Beschwerden sind anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch, Gelbsucht, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Bei fortgeschrittenen Tumoren kann ein tastbarer Knoten im Oberbauch bestehen.

Behandlung

  • Offene Gallenblasenentfernung mit Entfernung eines angrenzenden Leberstücks und der umliegenden Lymphknoten (erweiterte Cholezystektomie mit Leberteilresektion und Lymphknotendissektion)
  • Bei einem Zufallsbefund nach Schlüsselloch-Operation muss in der Regel nachoperiert werden

Operationstechnik: Immer offen, da eine Leberteilresektion und Lymphknotenentfernung notwendig ist.

Leben danach

Ohne Gallenblase kann man normal leben – die Galle fliesst direkt von der Leber in den Darm. In den ersten Wochen können weiche Stühle und leichte Verdauungsbeschwerden nach fettreichen Mahlzeiten auftreten, die sich meist von selbst bessern. Bei Krebs ist eine engmaschige onkologische Nachsorge mit Bildgebung notwendig.

Beschwerden

Dickdarmkrebs entwickelt sich meist langsam aus Darmpolypen. Typische Anzeichen sind Blut im Stuhl (oft unsichtbar), veränderte Stuhlgewohnheiten (Wechsel von Verstopfung und Durchfall), unerklärte Blutarmut, Bauchschmerzen und ungewollter Gewichtsverlust. Im Frühstadium bestehen häufig keine Beschwerden – daher ist die Vorsorge-Darmspiegelung ab 50 Jahren wichtig.

Behandlung

Je nach Lage des Tumors wird der betroffene Darmabschnitt mitsamt den umliegenden Lymphknoten entfernt:

  • Entfernung des S-förmigen Darmabschnitts (Sigmoidresektion)
  • Entfernung der rechten Dickdarmhälfte (Rechtshemikolektomie)
  • Entfernung des querverlaufenden Dickdarms (Transversumresektion)
  • Entfernung der linken Dickdarmhälfte (Linkshemikolektomie)

Die gesunden Darmenden werden wieder zusammengenäht.

Operationstechnik: Laparoskopisch (heute Standard), offen oder robotisch. Die robotische Technik bietet besonders bei komplexen Resektionen Vorteile.

Leben danach

Der Stuhlgang ist in den ersten Wochen nach der Operation häufiger und weicher, normalisiert sich aber in der Regel innerhalb von 2–3 Monaten. Die grösste Komplikation ist eine undichte Nahtverbindung (Leckage, in 3–4 % der Fälle). Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit fördern die Erholung. Die Nachsorge umfasst regelmässige Darmspiegelungen, Blutuntersuchungen (Tumormarker) und Bildgebung über 5 Jahre.

Beschwerden

Enddarmkrebs verursacht häufig Blut am oder im Stuhl, Schleimabgang, das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung, schmerzhaften Stuhldrang (Tenesmen) und veränderte Stuhlgewohnheiten. Da diese Beschwerden denen von Hämorrhoiden ähneln, werden sie manchmal lange nicht abgeklärt.

Behandlung

  • Vollständige Entfernung des Enddarms mit dem gesamten umliegenden Fett- und Lymphgewebe (totale mesorektale Exzision), meist per Schlüsselloch-Technik
  • Vorübergehender künstlicher Dünndarmausgang für 8–12 Wochen zum Schutz der Nahtverbindung (protektives Ileostoma)
  • Anschliessende Rückverlagerung des künstlichen Ausgangs

Bei sehr tief sitzenden Tumoren muss gelegentlich ein dauerhafter künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Operationstechnik: Laparoskopisch (häufig), offen oder robotisch. Die robotische Technik bietet im engen Becken besondere Vorteile durch präzisere Instrumente und bessere Sicht.

Leben danach

In den ersten Monaten nach der Operation ist der Stuhlgang häufiger (bis zu 5–6 Mal täglich), was sich mit der Zeit bessert. Es kann vorübergehend zu leichtem unkontrolliertem Stuhlverlust kommen. Die Nahtverbindung ist in 5–8 % der Fälle undicht, was bei vorhandenem Schutzausgang meist gut beherrschbar ist. Beckenbodentraining unterstützt die Erholung. Die onkologische Nachsorge mit Spiegelungen, Bildgebung und Blutuntersuchungen erstreckt sich über 5 Jahre.

Beschwerden

Afterkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung, die häufig mit einer Infektion durch humane Papillomaviren (HPV) zusammenhängt. Erste Anzeichen sind Blutungen aus dem After und Schmerzen beim Stuhlgang. Auch Juckreiz, tastbare Knoten am After und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten können auftreten.

Behandlung

  • Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten wird Afterkrebs in der Regel nicht primär operiert
  • Die meisten Betroffenen werden erfolgreich mit einer kombinierten Bestrahlung und Chemotherapie behandelt (Radiochemotherapie)
  • Eine Operation kommt erst bei Versagen dieser Therapie in Betracht
  • Die Behandlung wird im Rahmen einer Tumorkonferenz (interdisziplinäres Tumorboard) geplant

Leben danach

Während und nach der Radiochemotherapie können Hautreizungen im Afterbereich, Durchfall und Müdigkeit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen klingen innerhalb von Wochen ab. Die Schliessmuskelfunktion kann vorübergehend beeinträchtigt sein. Regelmässige Nachkontrollen mit klinischer Untersuchung und Bildgebung sind über mehrere Jahre notwendig, um ein Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen.

Beschwerden

Schilddrüsenkrebs äussert sich meist durch einen tastbaren, schmerzlosen Knoten am Hals, der bei einer Ultraschalluntersuchung auffällt. Im fortgeschrittenen Stadium können Heiserkeit (durch Druck auf den Stimmnerv), Schluckbeschwerden, Atemnot und geschwollene Halslymphknoten auftreten. Viele Schilddrüsenknoten sind gutartig – eine Gewebeentnahme (Punktion) klärt die Lage.

Behandlung

  • Vollständige Entfernung der Schilddrüse (totale Thyreoidektomie), meist mit Ausräumung der Halslymphknoten
  • Bei kleinen, auf eine Seite begrenzten Tumoren: Entfernung nur einer Schilddrüsenhälfte (Hemithyreoidektomie)
  • Anschliessend häufig Radiojodtherapie zur Beseitigung von Restgewebe

Operationstechnik: Offen über einen kleinen Halsschnitt (Standard). Robotisch über einen Zugang in der Achselhöhle (narbenfreier Hals) möglich.

Leben danach

Nach vollständiger Schilddrüsenentfernung müssen lebenslang Schilddrüsenhormone als Tablette eingenommen werden (meist eine Tablette morgens). Der Kalziumspiegel muss anfangs engmaschig kontrolliert werden, da die Nebenschilddrüsen vorübergehend beeinträchtigt sein können. Das Risiko einer Verletzung des Stimmbandnervs beträgt etwa 2 %. Regelmässige Nachsorge mit Blutuntersuchungen, Ultraschall und gegebenenfalls Ganzkörperszintigraphie ist notwendig.

Beschwerden

Dünndarmtumoren sind selten. Karzinoide (langsam wachsende hormonproduzierende Tumoren) können Bauchkrämpfe, Durchfall und anfallsartige Hautrötungen im Gesicht (Flush) verursachen. GIST-Tumoren (Bindegewebstumoren der Darmwand) führen gelegentlich zu Blutungen, Bauchschmerzen oder einem Darmverschluss. Beide Tumorarten werden manchmal zufällig bei Untersuchungen entdeckt.

Behandlung

  • Entfernung des betroffenen Dünndarmabschnitts mit ausreichendem Sicherheitsabstand (Dünndarmresektion)
  • Bei Karzinoiden und GIST: erweiterte Entfernung mit den zugehörigen Lymphknoten und dem versorgenden Darmgekröse
  • Zusammennähen der gesunden Darmenden (Anastomose)

Operationstechnik: Offen oder laparoskopisch. Bei ausgedehnten Tumoren meist offen.

Leben danach

Solange mindestens 2 Meter Dünndarm erhalten bleiben, treten in der Regel keine Nährstoffmängel auf. Bei grösseren Entfernungen kann es zu Durchfall und Mangelerscheinungen (Vitamine, Mineralstoffe) kommen, die durch Nahrungsergänzung ausgeglichen werden. Undichte Nähte treten selten auf (1–2 %). Die Nachsorge umfasst regelmässige Bildgebung und bei Karzinoiden die Kontrolle spezieller Tumormarker (Chromogranin A, 5-HIES im Urin).

Beschwerden

Nebennierentumoren können Hormone produzieren und dadurch vielfältige Beschwerden verursachen: Bluthochdruck und Herzrasen (bei Adrenalin produzierenden Tumoren, sogenannten Phäochromozytomen), Gewichtszunahme mit Mondgesicht und Stammfettsucht (bei Cortisol produzierenden Tumoren), oder Veränderungen der Geschlechtsmerkmale. Manche Tumoren produzieren keine Hormone und werden zufällig in der Bildgebung entdeckt. Nebennierentumoren können auch im Rahmen von Syndromen auftreten, bei denen mehrere Drüsen betroffen sind.

Behandlung

  • Nebennierenentfernung per Schlüsselloch-Technik bei kleineren Tumoren (laparoskopische Adrenalektomie)
  • Offene Nebennierenentfernung bei grösseren Tumoren (offene Adrenalektomie)
  • Bei Adrenalin produzierenden Tumoren muss vor der Operation eine medikamentöse Vorbehandlung erfolgen, um gefährliche Blutdruckkrisen während des Eingriffs zu verhindern

Operationstechnik: Laparoskopisch (Standard bei kleineren Tumoren), offen bei grossen Tumoren, robotisch möglich.

Leben danach

Die Entfernung einer Nebenniere wird in der Regel nicht bemerkt, da die andere Seite die Funktion vollständig übernimmt. Bei hormonproduzierenden Tumoren verschwinden die hormonbedingten Beschwerden nach der Operation meist innerhalb von Wochen bis Monaten. In seltenen Fällen muss die verbleibende Nebennierenfunktion medikamentös unterstützt werden. Regelmässige Hormonkontrollen sind notwendig.

B. Entzündungen und gutartige Erkrankungen

Beschwerden

Die Gallenblase speichert die von der Leber produzierte Galle und gibt sie zur Fettverdauung in den Dünndarm ab. Gallensteine können krampfartige Schmerzen im rechten oder mittleren Oberbauch auslösen (Gallenkolik), die oft nach fettreichen Mahlzeiten auftreten und in die rechte Schulter oder den Rücken ausstrahlen. Weitere Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Juckreiz, Gelbfärbung der Augen und der Haut (Gelbsucht), heller Stuhl und dunkler Urin. Eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) verursacht zusätzlich Fieber und Dauerschmerzen. Selten kommt es zu einem Durchbruch mit Bauchfellentzündung.

Behandlung

  • Gallenblasenentfernung per Schlüsselloch-Technik (laparoskopische Cholezystektomie) – der heutige Standard
  • Offene Gallenblasenentfernung bei sehr schwerer Entzündung oder Tumorverdacht (offene Cholezystektomie)

Operationstechnik: Laparoskopisch (Standard), offen bei schwerer Entzündung, robotisch möglich.

Leben danach

Die kolikartigen Schmerzen, die oft über Jahre bestanden, verschwinden nach der Operation schlagartig. Das Fehlen der Gallenblase hat keine negativen Folgen – die Galle fliesst einfach direkt von der Leber in den Darm. In den ersten Wochen können weiche Stühle nach fettreichen Mahlzeiten auftreten, was sich meist rasch bessert. Komplikationen sind sehr selten. Eine spezielle Nachsorge ist bei unkompliziertem Verlauf nicht erforderlich.

Beschwerden

Eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursacht starke, immer wiederkehrende Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen. Die Entzündung führt zu Verkalkungen und Steinbildung im Ausführungsgang der Drüse. Im Verlauf kann die Verdauungsfunktion nachlassen (fettiger, übelriechender Stuhl) und eine Zuckerkrankheit (Diabetes) entstehen. Die häufigste Ursache ist übermässiger Alkoholkonsum.

Behandlung

Je nach Ausmass und Lage der Veränderungen:

  • Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkopfes (Kausch-Whipple-Operation)
  • Entfernung des Bauchspeicheldrüsenschwanzes (Pankreaslinksresektion)
  • Entfernung des mittleren Abschnitts unter Erhalt des Schwanzes (Pankreassegmentresektion)

Operationstechnik: Offen (häufig bei Kopfoperation), laparoskopisch oder robotisch bei Schwanzresektionen.

Leben danach

Spitalaufenthalt: 10–14 Tage nach einer Kopfoperation, 7–8 Tage nach einer Schwanzentfernung. Die Schmerzfreiheit nach der Operation ist häufig deutlich besser. Verdauungsenzyme müssen als Kapseln zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Das Diabetesrisiko ist erhöht, besonders nach Schwanzentfernung, da dort die meisten insulinproduzierenden Zellen sitzen. Alkoholverzicht ist zwingend. Regelmässige Kontrollen von Blutzucker, Gewicht und Nährstoffversorgung sind notwendig.

Beschwerden

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, die vor allem im S-förmigen Dickdarm (Sigma) auftreten. Sie sind häufig und verursachen oft keine Beschwerden. Bei einer Entzündung (Divertikulitis) treten Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber, Verstopfung oder Durchfall und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. In schweren Fällen kann es zu einem Darmdurchbruch mit Bauchfellentzündung, Abszessbildung oder Darmverengung kommen.

Behandlung

  • Entfernung des betroffenen S-förmigen Darmabschnitts mit Wiederverbindung der gesunden Enden (Sigmoidresektion)
  • Bei Notfallsituationen (Darmdurchbruch) kann ein vorübergehender künstlicher Darmausgang nötig sein

Operationstechnik: Laparoskopisch (Standard), offen bei Notfällen oder Komplikationen, robotisch möglich.

Leben danach

Die meisten Betroffenen sind nach der Operation beschwerdefrei. Der Stuhlgang normalisiert sich innerhalb weniger Wochen. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit beugt neuen Divertikelproblemen vor. Das Risiko einer undichten Nahtverbindung beträgt 3–4 %. Eine regelmässige Darmspiegelung zur Nachkontrolle wird empfohlen.

Beschwerden

Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Dickdarm- und Enddarmschleimhaut. Typisch sind blutig-schleimige Durchfälle (bis zu 20 Mal am Tag), krampfartige Bauchschmerzen, Stuhldrang und ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Gewichtsverlust. Die Krankheit verläuft in Schüben und erhöht langfristig das Darmkrebsrisiko.

Behandlung

Eine Operation wird nötig, wenn Medikamente die Entzündung nicht ausreichend kontrollieren, Krebsvorstufen auftreten oder Komplikationen eintreten:

  • Vollständige Dickdarmentfernung (Kolektomie)
  • Bildung eines Ersatzreservoirs aus Dünndarm (ileoanale J-Pouch-Anlage), das an den After angeschlossen wird
  • Vorübergehender künstlicher Dünndarmausgang zum Schutz des Reservoirs

Operationstechnik: Laparoskopisch, offen oder robotisch. Die Operation wird häufig in mehreren Schritten durchgeführt.

Leben danach

Der J-Pouch ermöglicht eine Stuhlentleerung über den natürlichen Weg, allerdings mit häufigeren Stuhlgängen (4–8 Mal täglich). Die Colitis ulcerosa ist durch die Operation in der Regel geheilt. In den ersten Monaten muss sich der Körper an das neue Reservoir gewöhnen. Eine gelegentliche Entzündung des Pouches (Pouchitis) kann auftreten und wird mit Antibiotika behandelt. Langfristig führen die meisten Betroffenen ein normales Leben.

Beschwerden

Ein Darmverschluss ist ein Notfall. Typische Anzeichen sind heftige, krampfartige Bauchschmerzen, die wellenförmig auftreten, Erbrechen (anfangs Mageninhalt, später gallig bis kotig), aufgeblähter Bauch und vollständiger Stopp von Stuhlgang und Windabgang. Häufigste Ursachen sind Verwachsungen nach früheren Operationen, Abknickungen oder selten Tumoren.

Behandlung

  • Entfernung des erkrankten oder abgestorbenen Darmabschnitts (Dünndarmresektion)
  • Zusammennähen der gesunden Darmenden (Anastomose)
  • Lösen von Verwachsungen (Adhäsiolyse)
  • Bei Durchblutungsstörungen: Entfernung des abgestorbenen Gewebes als Notfalleingriff

Operationstechnik: Offen (häufig bei Notfall), laparoskopisch bei Verwachsungslösung möglich.

Leben danach

Solange mindestens 2 Meter Dünndarm erhalten bleiben, treten keine wesentlichen Verdauungsprobleme auf. Undichte Nähte sind selten (1–2 %), aber bei vorbestehenden Durchblutungsstörungen etwas häufiger. In schweren Fällen mit grossem Darmverlust kann eine langfristige Ernährung über die Blutbahn (parenterale Ernährung) nötig werden, was aber sehr selten vorkommt. Neue Verwachsungen können erneute Probleme verursachen. Eine besondere Nachsorge ist bei unkompliziertem Verlauf nicht erforderlich.

C. Drüsenerkrankungen

Beschwerden

Die Schilddrüse steuert zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) arbeitet der Stoffwechsel zu schnell: Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Nervosität, Zittern und Durchfall sind typisch. Bei einem Morbus Basedow können zusätzlich die Augen hervortreten. Schilddrüsenknoten (Struma nodosa) verursachen oft ein Engegefühl am Hals, Schluckbeschwerden oder sichtbare Schwellungen. Manche Knoten produzieren unkontrolliert Hormone (heisse Knoten).

Behandlung

  • Vollständige Schilddrüsenentfernung bei Morbus Basedow oder mehreren Knoten (totale Thyreoidektomie)
  • Entfernung einer Schilddrüsenhälfte bei einseitigen Knoten (Hemithyreoidektomie)
  • Ausschälung eines einzelnen Knotens, wenn die übrige Drüse unauffällig ist (Enukleation)

Operationstechnik: Offen über einen kleinen Halsschnitt (Standard). Robotisch über Achselhöhlen-Zugang möglich (narbenfreier Hals).

Leben danach

Nach vollständiger Entfernung muss lebenslang eine Schilddrüsentablette eingenommen werden – bei richtiger Dosierung bestehen keine Einschränkungen. Nach Entfernung einer Hälfte ist häufig keine Hormonersatztherapie nötig, da die verbliebene Hälfte ausreicht. Das Risiko einer Stimmbandnerv-Verletzung beträgt etwa 2 % bei Erstoperationen. Der Kalziumspiegel wird in den ersten Tagen kontrolliert. Regelmässige Blutkontrollen (Schilddrüsenwerte) sind langfristig notwendig.

Beschwerden

Die vier Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) regulieren den Kalziumspiegel im Blut. Bei einer Überfunktion wird zu viel Kalzium aus den Knochen gelöst:

  • Primärer Hyperparathyreoidismus: Ein einzelnes Epithelkörperchen ist vergrössert. Beschwerden sind Nierensteine, Knochenschmerzen, Müdigkeit, Verstopfung, Übelkeit und depressive Verstimmung. Oft wird die Diagnose durch einen zufällig erhöhten Kalziumwert gestellt.
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus: Durch Nierenprobleme wird zu wenig Kalzium aufgenommen, worauf alle vier Epithelkörperchen vergrössert reagieren. Es kommt zu Knochenerweichung, Magengeschwüren und Nierensteinen.

Behandlung

  • Bei primärem Hyperparathyreoidismus: Entfernung des einzelnen vergrösserten Epithelkörperchens (gezielte Parathyreoidektomie)
  • Bei sekundärem Hyperparathyreoidismus: Entfernung aller vier Epithelkörperchen oder mindestens dreieinhalb (subtotale Parathyreoidektomie)

Operationstechnik: Offen über einen kleinen gezielten Halsschnitt (Standard). Robotisch möglich.

Leben danach

Durch die Operation werden die Beschwerden der Überfunktion – insbesondere Knochenschmerzen, Nierensteine und Müdigkeit – in der Regel geheilt. Nach Entfernung aller Epithelkörperchen muss Kalzium zugeführt werden. Der Kalziumspiegel wird in den ersten Tagen und Wochen engmaschig kontrolliert. Langfristig sind regelmässige Blutkontrollen (Kalzium, Parathormon) erforderlich.

D. Milzerkrankungen

Beschwerden

Die Milz liegt im linken Oberbauch unter dem Zwerchfell und ist ein wichtiges Organ der Immunabwehr. Sie baut ausserdem alte rote Blutkörperchen und Blutplättchen ab. Milzverletzungen entstehen meist durch Unfälle (stumpfes Bauchtrauma) und verursachen heftige Schmerzen im linken Oberbauch, die in die linke Schulter ausstrahlen können, sowie Zeichen eines inneren Blutverlustes (Blässe, Schwindel, Kreislaufschwäche). Milztumoren werden häufig im Rahmen von Operationen an benachbarten Organen (Bauchspeicheldrüse, Magen) mitentfernt.

Behandlung

  • Vollständige Milzentfernung (Splenektomie) – bei schweren Verletzungen oder grossen Tumoren
  • Teilentfernung der Milz, wenn nur ein Bereich betroffen ist (partielle Splenektomie)
  • Bauchspeicheldrüsenschwanz-Entfernung unter Erhalt der Milz, wenn möglich (milzerhaltende Pankreasschwanzresektion)

Operationstechnik: Laparoskopisch, offen oder robotisch. Bei Notfällen (Milzriss) meist offen.

Leben danach

Die Blutplättchenzahl steigt nach der Milzentfernung an, was das Risiko für Blutgerinnsel erhöht – manche Betroffene benötigen vorübergehend blutverdünnende Medikamente. Da die Milz eine wichtige Rolle bei der Abwehr bestimmter Bakterien (Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Meningokokken) spielt, müssen Betroffene geimpft werden. Diese Impfungen müssen regelmässig aufgefrischt werden. Fieber muss nach einer Milzentfernung immer ernst genommen und rasch ärztlich abgeklärt werden (Gefahr einer schweren Blutvergiftung, OPSI-Syndrom). Im Alltag wird der Verlust der Milz von den meisten Menschen nicht spürbar bemerkt.

E. Übergewichtschirurgie

Beschwerden

Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) ist eine chronische Krankheit mit starker erblicher Veranlagung. Bei einem BMI über 35 kg/m² ist die Lebenserwartung deutlich verkürzt. Begleiterkrankungen sind Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2), erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkschäden, Gallensteine und ein erhöhtes Krebsrisiko. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter Atemnot, Schlafapnoe, eingeschränkter Beweglichkeit und psychischer Belastung.

Behandlung

Voraussetzung ist ein BMI über 35 (oder über 30 bei schlecht eingestelltem Diabetes) und eine mindestens zweijährige erfolglose konservative Therapie:

  • Schlauchmagen: Verkleinerung des Magens durch Entfernung eines Grossteils (Sleeve-Gastrektomie)
  • Magenbypass: Umleitung der Nahrung am grössten Teil des Magens und oberen Dünndarms vorbei (Roux-Y-Magenbypass)
  • Umleitung der Verdauungssäfte zur Verringerung der Nährstoffaufnahme (biliopankreatische Diversion)

Die Verfahren wirken über drei Wege: Verkleinerung des Magenvolumens, verringerte Nährstoffaufnahme und Veränderung der Hunger- und Sättigungshormone.

Operationstechnik: Laparoskopisch (Standard für alle bariatrischen Eingriffe) oder robotisch. Offene Operationen sind selten.

Leben danach

Die Ernährung muss dauerhaft umgestellt werden: In den ersten Monaten 6 kleine, ausgewogene Mahlzeiten pro Tag, anfangs nur etwa 6 Esslöffel pro Mahlzeit. Essen und Trinken müssen getrennt werden (30 Minuten Abstand). Multivitamine und Mineralstoffe müssen lebenslang eingenommen werden. Regelmässige Nachsorge mit Blutkontrollen, Ernährungsberatung und psychologischer Begleitung ist lebenslang erforderlich. Die meisten Begleiterkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck) bessern sich deutlich oder verschwinden ganz.

F. Enddarm- und Aftererkrankungen (Proktologie)

Beschwerden

Hämorrhoiden sind Gefässpolster am Übergang vom Enddarm zum After, die zum normalen Verschluss beitragen. Wenn sie sich vergrössern und nach unten rutschen, verursachen sie Blutungen (hellrotes Blut am Toilettenpapier oder in der Schüssel), Juckreiz, Schleimabgang, ein Nässen und in fortgeschrittenen Stadien Schmerzen und tastbare Knoten am After. Die Beschwerden treten besonders beim Stuhlgang auf.

Behandlung

Je nach Schweregrad:

  • Verödung der Hämorrhoiden mit Laser (Laser-Hämorrhoidoplastik)
  • Raffung und Anhebung mit Klammernahtgerät (Klammer-Hämorrhoidopexie nach Longo)
  • Ultraschallgesteuerte Unterbindung der zuführenden Arterien (Doppler-geführte Hämorrhoidenarterien-Ligatur / HAL)
  • Entfernung mit gewebeverschliessendem Skalpell (Hämorrhoidenentfernung)

Bei leichten Beschwerden werden zunächst Verödungsspritzen oder Gummibandligaturen eingesetzt.

Operationstechnik: Proktologische Spezialeingriffe, die über den After (transanal) durchgeführt werden. Keine klassische offene, laparoskopische oder robotische Technik.

Leben danach

Die Wundheilung im Afterbereich dauert 2–4 Wochen und kann schmerzhaft sein, besonders beim Stuhlgang. Warme Sitzbäder, Schmerzmittel und weicher Stuhl (durch ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit) erleichtern die Heilung. Übermässiges Pressen beim Stuhlgang sollte dauerhaft vermieden werden. Rückfälle sind möglich, können aber durch gesunde Stuhlgewohnheiten verringert werden.

Beschwerden

Ein Analabszess ist eine mit Eiter gefüllte Höhle, die durch eine akute Entzündung kleiner Drüsen im Afterkanal entsteht. Er verursacht heftige, pochende Schmerzen am After, Schwellung, Rötung und häufig Fieber. Ohne Behandlung kann sich die Entzündung in das umliegende Gewebe ausbreiten. Eine Analfistel ist ein unnatürlicher, tunnelartiger Gang zwischen Afterkanal und Haut, der als Folge eines Abszesses entsteht. Sie verursacht anhaltenden Ausfluss, Nässen und immer wiederkehrende Entzündungen.

Behandlung

  • Ausschneiden des Fistelgangs (Fistelektomie)
  • Aufschneiden des Fistelgangs bei einfachen, oberflächlichen Fisteln (Fistulotomie)
  • Abdeckung mit einem Gewebelappen bei komplexen Fisteln (Lappen-Verfahren)
  • Wiederherstellung des Schliessmuskels, wenn dieser durch die Fistel geschädigt wurde (Sphinkterrekonstruktion)

Bei einem akuten Abszess wird zunächst der Eiter dringend entlastet; die endgültige Fistelbehandlung erfolgt im entzündungsfreien Intervall.

Operationstechnik: Proktologische Spezialeingriffe über den After (transanal/perianal). Keine klassische offene, laparoskopische oder robotische Technik.

Leben danach

Die Heilung dauert je nach Verfahren 2–6 Wochen. Bei offener Wundbehandlung sind regelmässige Wundspülungen und Verbandswechsel nötig. Sitzbäder und eine ballaststoffreiche Ernährung für weichen Stuhl unterstützen die Heilung. Rückfälle sind bei komplexen Fisteln nicht ungewöhnlich und erfordern gegebenenfalls einen erneuten Eingriff. Die Schliessmuskelfunktion wird bei modernen Verfahren bestmöglich geschont.

Beschwerden

Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Riss in der Schleimhaut des Afters und gehört zu den häufigsten Ursachen für akute Afterschmerzen. Typisch sind stechende Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang (können Stunden anhalten), hellrotes Blut am Toilettenpapier und ein Verkrampfen des Schliessmuskels. Aus Angst vor Schmerzen wird der Stuhlgang hinausgezögert, was die Verstopfung verschlimmert und einen Teufelskreis auslöst. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, jüngere Erwachsene häufiger als ältere.

Behandlung

Zunächst konservativ (in den ersten 6–8 Wochen):

  • Erhöhte Flüssigkeits- und Ballaststoffzufuhr für weichen Stuhl
  • Auftragen von Salben zur Muskelentspannung (Nitroglyzerin, Kalziumantagonisten)
  • Einspritzung von Botulinumtoxin zur Entspannung des Schliessmuskels

Bei chronischer Fissur (länger als 6 Wochen):

  • Ausschneiden des Einrisses mit dem vernarbten Gewebe (Fissurektomie)
  • Deckung mit einem Hautlappen (Lappenplastik / V-Y-Anoplastie)

Operationstechnik: Proktologische Spezialeingriffe über den After (transanal/perianal).

Leben danach

Nach konservativer Therapie heilen die meisten Fissuren innerhalb von 6–8 Wochen ab. Nach einer Operation dauert die Heilung 3–6 Wochen. Warme Sitzbäder, Schmerzmittel und vor allem weicher Stuhl (ballaststoffreich, viel trinken) sind entscheidend. Verstopfung sollte dauerhaft vermieden werden, um Rückfällen vorzubeugen.

Beschwerden

Eine Steissbeinfistel entsteht durch eingewachsene Haare in der Gesässfalte. Die abgebrochenen Haare bohren sich durch Reibung mit der Wurzel voran in die Haut, lösen eine Entzündung mit Fremdkörperreaktion im Unterhautfettgewebe aus und bilden Fistelgänge. Betroffen sind vor allem junge Männer mit starkem Haarwuchs. Es gibt drei Erscheinungsformen: beschwerdefreie Grübchen (ohne Behandlung), akute Eiteransammlungen (Abszess mit Schmerzen, Schwellung, Rötung) und chronisch nässende Fistelöffnungen mit eitrigem oder blutigem Ausfluss.

Behandlung

  • Herausschneiden mit offener Wundheilung (Exzision) – sicher, aber lange Heilungsdauer und Rückfallrate bis 30 %
  • Minimaleingriff durch kleine Stichöffnungen als erste Wahl bei unkomplizierten Fällen (Pit-Picking)
  • Abdeckung mit verschobenem Hautlappen (Verschiebelappen)
  • Rautenförmige Lappenplastik mit sehr tiefer Rückfallrate unter 3 % (Limberlappenplastik)

Bei akutem Abszess wird zunächst der Eiter entlastet; die endgültige Operation erfolgt nach Abklingen der Entzündung.

Operationstechnik: Lokaler chirurgischer Eingriff in der Steissbeinregion (perianal/gluteal). Keine klassische offene, laparoskopische oder robotische Technik.

Leben danach

Die Heilungsdauer hängt stark vom Verfahren ab: Bei offener Wundheilung 4–12 Wochen mit regelmässigen Verbandswechseln, bei Lappenplastiken 2–3 Wochen. Sitzen kann in den ersten Tagen schmerzhaft sein. Enthaarung der Gesässfalte (Laser, Rasur) kann Rückfällen vorbeugen. Körperliche Aktivität ist nach vollständiger Heilung wieder uneingeschränkt möglich.

Beschwerden

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die die Beckenorgane stützt und den Verschluss von Blase und Darm sichert. Eine Schwäche betrifft vor allem Frauen und kann zu einem Tiefertreten des Dammes, einem Vorfall von Beckenorganen (Scheide, Blase, Enddarm) sowie Stuhl- und Harnentleerungsstörungen führen. Beim Mastdarmvorfall (Rektumprolaps) stülpt sich der Enddarm durch den After nach aussen – eine seltene, aber stark beeinträchtigende Erkrankung mit Schleimabgang und Stuhlschmieren. In fortgeschrittenen Fällen muss der Vorfall von Hand zurückgedrückt werden.

Behandlung

  • Wiederherstellung über den After oder die Scheide (transanale/transvaginale Rekonstruktion)
  • Anhebung der abgesenkten Organe per Schlüsselloch-Technik (minimalinvasive Kolporektosakropexie)
  • Einlage eines Stütznetzes am Enddarm – der europäische Standard (ventrale Netzrektopexie)

Die Wahl des Verfahrens hängt davon ab, welche Strukturen betroffen sind. Eine genaue Abklärung mit Befragung, Untersuchung und Magnetresonanztomographie (MRT) ist notwendig.

Operationstechnik: Laparoskopisch oder robotisch (bei Netzrektopexie und Kolporektosakropexie), transanal/transvaginal bei lokalen Rekonstruktionen.

Leben danach

Die Erholung dauert 2–6 Wochen je nach Verfahren. Schweres Heben sollte für mehrere Wochen vermieden werden. Beckenbodentraining (Physiotherapie) ist ein wichtiger Teil der Nachbehandlung und sollte langfristig fortgeführt werden. Die Ergebnisse sind in der Regel gut, mit deutlicher Besserung der Beschwerden. Bei Netzeinlagen wird im Langzeitverlauf kontrolliert, ob das Netz korrekt eingewachsen ist.

Beschwerden

Stuhlinkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, den Stuhlgang zu kontrollieren, was zu unfreiwilligem Verlust von festem oder flüssigem Stuhl führt. Betroffen sind etwa 2 % der Bevölkerung, wobei die Häufigkeit mit dem Alter steigt: bis zu 11 % der Männer und 26 % der Frauen über 50. In Pflegeheimen liegt die Rate bei etwa 40 %. Die Ursachen sind vielfältig: Verletzungen des Schliessmuskels (z.B. nach Geburt oder Operation), Nervenschäden oder unbekannte Gründe.

Behandlung

Zunächst konservativ: Ernährungsanpassung, Medikamente (Loperamid), Beckenbodentraining und Biofeedback-Therapie.

Operative Verfahren bei ungenügendem Ansprechen:

  • Naht des Schliessmuskels (Anal-Sphinkterplastik)
  • Ersatz des Schliessmuskels durch Oberschenkelmuskel (dynamische Gracilisplastik)
  • Nervenschrittmacher am Kreuzbein (sakrale Nervenstimulation)
  • Nervenstimulation am Schienbein (Stimulation des Nervus tibialis posterior)
  • Einspritzung von Füllstoffen in den Schliessmuskelbereich (Bulking Agents)
  • Darmspülung von oben (anterograde Darmspülung)
  • Anlage eines künstlichen Darmausgangs als letzte Option (Stoma)

Operationstechnik: Proktologische Spezialeingriffe (transanal/perianal). Der Nervenschrittmacher wird über einen kleinen Schnitt am Kreuzbein eingesetzt. Die Gracilisplastik ist ein offener Eingriff.

Leben danach

Die Kombination aus konservativer und operativer Behandlung führt bei den meisten Betroffenen zu einer deutlichen Besserung. Der Nervenschrittmacher (sakrale Nervenstimulation) zeigt in vielen Studien gute Langzeitergebnisse. Beckenbodentraining sollte dauerhaft fortgeführt werden. Inkontinenzeinlagen bieten im Alltag zusätzliche Sicherheit. Ein offenes Gespräch mit dem behandelnden Arzt ist wichtig, da viele Betroffene aus Scham zu lange warten.

Beschwerden

Chronische Verstopfung ist eine der häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts und betrifft 2–35 % der Bevölkerung. Typisch sind seltener Stuhlgang (weniger als 3 Mal pro Woche), harter Stuhl, starkes Pressen, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung und Bauchschmerzen. Es wird unterschieden zwischen:

  • Transportstörung: Der Dickdarm transportiert den Stuhl zu langsam (zu wenige Kontraktionswellen)
  • Entleerungsstörung: Probleme im Beckenboden verhindern eine normale Darmentleerung
  • Sekundäre Ursachen: Andere Erkrankungen (Schilddrüsenunterfunktion, Parkinson, Medikamente) oder Verengungen (Tumor, Divertikel)

Behandlung

Zunächst konservativ: Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung und Abführmittel.

Operative Verfahren bei Therapieversagen:

Bei Transportstörung:

  • Nervenschrittmacher am Kreuzbein (sakrale Nervenstimulation / SNS)
  • Teil- oder vollständige Dickdarmentfernung (Segment- oder totale Kolektomie)
  • Anlage eines künstlichen Dünndarmausgangs (Ileostomie)

Bei Entleerungsstörung:

  • Raffung der Enddarmwand (rektale Plikation / Sullivan-Khubchandani-Technik)
  • Enddarmteilentfernung mit Klammernahtgerät (STARR / Transtar)
  • Beckenbodenstraffung vom Damm her (transperineale Levatorplastik)
  • Anhebung abgesenkter Organe per Schlüsselloch-Technik (laparoskopische Kolporektosakropexie)

Operationstechnik: Laparoskopisch oder robotisch (bei Kolektomie und Kolporektosakropexie), transanal/transperineal bei lokalen Beckenbodenverfahren. Der Nervenschrittmacher wird über einen kleinen Schnitt am Kreuzbein eingesetzt.

Leben danach

Eine Operation kommt nur bei schwerer, therapieresistenter Verstopfung in Frage und wird erst nach umfassender Abklärung durchgeführt. Nach einer Dickdarmentfernung ist der Stuhlgang häufiger und weicher. Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmässige Bewegung bleiben lebenslang wichtig. Beckenbodentraining (Biofeedback) unterstützt die Erholung bei Entleerungsstörungen. Regelmässige Nachkontrollen überwachen den Behandlungserfolg.

G. Bauchwandbrüche (Hernien)

Beschwerden

Ein Leistenbruch entsteht, wenn Gewebe (meist Darmschlingen oder Fettgewebe) durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in der Leistengegend hervortritt. Typische Anzeichen sind eine sicht- oder tastbare Vorwölbung in der Leiste, die bei Husten, Pressen oder körperlicher Belastung deutlicher wird. Viele Betroffene verspüren ein Ziehen oder dumpfe Schmerzen in der Leiste, besonders beim Heben schwerer Gegenstände oder bei längerem Stehen. In Ruhe oder im Liegen lässt sich die Vorwölbung oft zurückdrücken. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Behandlung

  • Einlage eines Kunststoffnetzes zur Verstärkung der Bauchwand (Netzplastik)
  • Schlüsselloch-Technik von der Bauchseite her (laparoskopische transabdominelle Netzplastik, TAPP)
  • Schlüsselloch-Technik im Zwischenraum der Bauchwand (total extraperitoneale Netzplastik, TEP)
  • Offene Netzeinlage nach Lichtenstein bei grossen Brüchen oder Voroperationen

Operationstechnik: Bevorzugt laparoskopisch (TAPP oder TEP) oder robotisch unterstützt. Bei grossen oder komplizierten Brüchen offen nach Lichtenstein.

Leben danach

Nach einer Leistenbruch-Operation ist körperliche Schonung für 2–3 Wochen empfohlen. Leichte Alltagstätigkeiten sind rasch wieder möglich. Schweres Heben (über 10 kg) sollte für 4–6 Wochen vermieden werden. Sport kann in der Regel nach 3–4 Wochen stufenweise wieder aufgenommen werden. Das eingesetzte Netz wächst in das Gewebe ein und verstärkt die Bauchwand dauerhaft. Das Rückfallrisiko liegt bei unter 2%. Taubheitsgefühl in der Leistengegend kann vorübergehend auftreten und bildet sich meist innerhalb weniger Monate zurück.

Beschwerden

Beim Nabelbruch tritt Gewebe durch eine Schwachstelle im Bereich des Nabels hervor. Es zeigt sich eine Vorwölbung am oder neben dem Nabel, die bei Anstrengung grösser wird. Viele Nabelbrüche verursachen keine oder nur geringe Beschwerden wie ein Druckgefühl. Bei grösseren Brüchen können Schmerzen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden auftreten. Übergewicht, Schwangerschaften und schwere körperliche Arbeit begünstigen die Entstehung.

Behandlung

  • Direkte Naht bei kleinen Brüchen (unter 2 cm)
  • Einlage eines Kunststoffnetzes bei grösseren Brüchen (Netzplastik)
  • Minimalinvasive Versorgung bei grösseren Defekten

Operationstechnik: Kleine Nabelbrüche werden offen mit direkter Naht oder Netz versorgt. Grössere Brüche können laparoskopisch oder robotisch operiert werden.

Leben danach

Nach einem Nabelbruch-Eingriff ist die Erholung in der Regel rasch. Leichte Tätigkeiten sind nach wenigen Tagen möglich. Schweres Heben sollte für 3–4 Wochen vermieden werden. Bei Netzeinlage ist die Rückfallrate sehr gering. Übergewichtige Patienten profitieren von einer Gewichtsreduktion, um ein erneutes Auftreten zu vermeiden.

Beschwerden

Ein Schenkelbruch tritt unterhalb des Leistenbandes im Bereich der Oberschenkelgefässe auf. Er ist seltener als der Leistenbruch und betrifft häufiger Frauen. Die Vorwölbung ist oft klein und schwer zu erkennen. Schenkelbrüche verursachen Schmerzen in der Leiste oder im Oberschenkelbereich und haben ein erhöhtes Risiko für eine Einklemmung (Inkarzeration), weshalb sie zeitnah operiert werden sollten.

Behandlung

  • Verschluss der Bruchlücke mit Netzeinlage
  • Schlüsselloch-Technik über den Bauchraum (laparoskopische Netzplastik)
  • Offene Operation bei eingeklemmten Brüchen (Notfall)

Operationstechnik: Bevorzugt laparoskopisch (TAPP), da gleichzeitig ein allfälliger Leistenbruch mitversorgt werden kann. Bei Einklemmung offene Notfalloperation.

Leben danach

Die Erholung verläuft ähnlich wie beim Leistenbruch. Körperliche Schonung für 2–3 Wochen, kein schweres Heben für 4–6 Wochen. Wegen des höheren Einklemmungsrisikos ist eine zeitnahe operative Versorgung besonders wichtig. Die Rückfallrate nach Netzeinlage ist sehr niedrig.

Beschwerden

Ein Narbenbruch entsteht im Bereich einer früheren Operations-Narbe, wenn die Bauchwand an der Nahtstelle nicht vollständig verheilt ist. Er zeigt sich als Vorwölbung entlang der Narbe, die bei Anstrengung grösser wird. Beschwerden reichen von einem Druckgefühl über ziehende Schmerzen bis hin zu Verdauungsstörungen bei grossen Brüchen. Narbenbrüche treten bei etwa 10–15% aller Bauchoperationen auf und sind nach offenen Eingriffen häufiger als nach Schlüsselloch-Operationen.

Behandlung

  • Einlage eines Kunststoffnetzes zur Verstärkung der Bauchwand (Netzplastik)
  • Abtrennung der seitlichen Bauchmuskulatur zur spannungsfreien Verschluss-Erweiterung (Komponentenseparation nach Ramirez oder TAR-Technik) bei grossen Brüchen
  • Schlüsselloch-Technik bei geeigneten Brüchen

Operationstechnik: Laparoskopisch oder robotisch bei kleinen bis mittelgrossen Brüchen. Bei grossen Narbenbrüchen offene Rekonstruktion mit erweiterter Bauchdeckenplastik (TAR oder Komponentenseparation).

Leben danach

Die Erholung dauert je nach Bruchgrösse 3–6 Wochen. Bei grossen Narbenbrüchen mit Bauchdeckenrekonstruktion ist eine längere Schonung von 6–8 Wochen nötig. Das Tragen eines Bauchgurts kann in den ersten Wochen unterstützend wirken. Schweres Heben sollte für mindestens 6 Wochen vermieden werden. Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Rauchstopp und gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes senken das Rückfallrisiko deutlich.

Die drei Operationstechniken im Überblick

Bei vielen Eingriffen in der Bauchchirurgie stehen heute verschiedene Zugangswege zur Verfügung. Welche Technik gewählt wird, hängt von der Art und Grösse der Erkrankung, der Körperbeschaffenheit und der Erfahrung des Operationsteams ab.

Bei der offenen Operation wird ein grösserer Schnitt (je nach Eingriff 10–30 cm) in die Haut und die Bauchdecke gesetzt, um dem Chirurgen direkten Zugang zum Operationsgebiet zu geben. Der Chirurg arbeitet mit seinen Händen und Instrumenten direkt im Körper und hat eine gute Übersicht über das gesamte Operationsfeld.

Vorteile:

  • Direkter Zugang und gute Übersicht, besonders bei grossen Tumoren oder verwachsenem Gewebe
  • Bei Notfällen schnell durchführbar
  • Keine spezielle technische Ausrüstung erforderlich

Nachteile:

  • Grösserer Schnitt und damit mehr Schmerzen nach der Operation
  • Längere Erholungszeit und Spitalaufenthalt
  • Grössere Narbe
  • Höheres Risiko für Narbenbrüche

Bei der laparoskopischen Operation werden 3–5 kleine Schnitte (je 5–12 mm) in die Bauchdecke gesetzt. Durch diese Öffnungen werden eine Kamera und dünne Instrumente eingeführt. Der Bauch wird mit Gas (CO₂) aufgeblasen, damit der Chirurg Platz und Sicht hat. Der Chirurg operiert, indem er über einen Bildschirm in den Körper schaut und die Instrumente von aussen steuert.

Vorteile:

  • Deutlich kleinere Schnitte und weniger Schmerzen
  • Schnellere Erholung und kürzerer Spitalaufenthalt
  • Kleinere Narben
  • Geringeres Risiko für Wundinfektionen und Narbenbrüche

Nachteile:

  • Eingeschränkte Beweglichkeit der Instrumente (gerade Stäbe, die nur kippen und drehen können)
  • Zweidimensionales Kamerabild (kein räumliches Sehen)
  • Technisch anspruchsvoll, besonders in engen Körperregionen (z.B. Becken)
  • Nicht bei allen Patienten oder Erkrankungen möglich

Bei der robotischen Chirurgie sitzt der Chirurg an einer Steuerkonsole und steuert einen Operationsroboter (z.B. da Vinci), der die Instrumente im Körper des Patienten bewegt. Die Instrumente werden über kleine Schnitte (wie bei der Schlüsselloch-Technik) eingeführt, verfügen aber über abknickbare Gelenke, die Bewegungen in alle Richtungen erlauben. Der Chirurg sieht ein vergrössertes, dreidimensionales Bild.

Vorteile:

  • Höchste Präzision durch abknickbare Instrumente (ähnlich einem menschlichen Handgelenk)
  • Dreidimensionales, vergrössertes Bild für bessere Sicht
  • Besonders vorteilhaft in engen, schwer zugänglichen Körperregionen (z.B. Becken bei Enddarmkrebs, Schilddrüse über Achselhöhle)
  • Zitterfilter: Kleine Handbewegungen des Chirurgen werden geglättet
  • Kleine Schnitte wie bei der Schlüsselloch-Technik

Nachteile:

  • Hohe Kosten für Gerät und Unterhalt
  • Längere Vorbereitungszeit (Aufbau des Roboters)